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DreamTeam-Geschichten
So, nun möchte ich allen, die mit uns gefiebert und uns die Daumen gehalten haben einen kurzen Bericht liefern.
Für alle, die es kurz und prägnant möchten: Es war einfach atemberaubend, Lucas und ich haben den 7. Platz geschafft und wir haben bei BBC am Sonntag noch ein Interview mit kurzer Tanzeinlage „geliefert“.
Für alle, die gerne ein paar Details hätten...
Abfahrt Mittwoch, 5.3.2008 abends zu Anna nach Olching, dort übernachtet, Donnerstag morgens um 5.15 Uhr Monika abgeholt und dann los Richtung Dunkerque, ca. 900 km. Durchgebrettert, damit wir ja die Fähre um 22 Uhr nicht versäumen – wir waren natürlich schon um ca. 16 Uhr dort. Dürfen wir auch schon früher mitfahren? Klappt. Mikrochips bei Sarah und Lucas nicht gefunden – Panik! Erst das dritte Lesegerät findet die Chips – rauf auf die Fähre und gut...
Die Sorgenfalten in meinem Gesicht auf dem Foto gelten übrigens nicht dem Auftritt bei der Crufts, sondern dem Umstand, daß man mich auf der Fähre 1 1/2 Stunden von meinen Hunden weggesperrt hatte. Die mußten nämlich im Auto bleiben.
Monika, Anna und ich saßen am Bug des Schiffes und guckten ungeduldig durchs Fenster. Endlich tauchten aus der Dunkelheit die Lichter der Stadt Dover auf, wieder rein ins Auto und runter von der Fähre – oh mein Gott: Linksverkehr. Ich wußte plötzlich nicht mehr wo rechts und links ist und auf welcher Seite ich überhaupt in Deutschland gefahren bin – Sorry, we are Germans! Wir kämpften uns durch viele, viele Kreisverkehre (wo kommen denn jetzt die anderen Autos her, und wo wollen die dann hin?) zum Hotel in Hythe durch. Direkt am Meer, das wilde Rauschen des Ärmelkanals hat uns empfangen, wunderhübsches Hotel, richtig nette Menschen – ein guter Start in England. Am nächsten Morgen (Freitag) um 8 Uhr Abfahrt – waren ja noch ca. 300 km bis nach Birmingham. Wir wollten am Freitag noch das NEC (das ist das National Exhibition Center wo die Crufts stattfindet) suchen und dort mal umsehen...Mann war da was los – jetzt weiß ich, was die meinen wenn sie sagen: 23.000 Hunde in vier Tagen und 160.000 Besucher. Mal kurz durchgestromert, Arena (wo das Turnier stattgefunden hat) geortet, dann ist meine Schwester Gabi am Flughafen gelandet, die haben wir noch eingesammelt und dann ab ins Hotel. Am Samstag um 5 Uhr aufgestanden, um 7 Uhr waren wir schon wieder im NEC, weil ich Lucas noch den Ring zeigen wollte. Um diese Zeit war dort noch Totenstille, wir haben da ein bisschen geübt und er war super gut drauf – hat alle Übungen toll gemacht. Langsam trudelten auch die anderen Dogdancer ein – Kath Hardman aus England, Donelda Guy aus Jersey, Hetty van Hassel aus Holland, Karen McCarthy aus Neuseeland, Emmy Marie Simonsen aus Dänemark, Sini Eriksson aus Finnland, Marleen van Hees aus Belgien, Heather Smith aus Schottland und Mary Muxworthy aus Wales. Eine wirklich nette Idee haben die sich ausgedacht: Sie wünschen sich mit Glückwunsch-Karten gegenseitig „Good Luck“. Ring-Stewards kümmerten sich um alles (Getränke, Requisiten - „if you need anything – just let me know“), ich fühlte mich herzlich umsorgt. Gina Pink, die das Turnier organisiert hat ist sehr nett, kompetent und gut organisiert und begrüßte uns alle herzlich.
Sarah macht sich Lucas Bench zueigen...
Dann warten, dann Kostüm anziehen - und dann wurden wir von den Ring-Stewards zum Vorbereitungs-Ring geführt. Gabi, Monika und Anna verabschiedeten sich von mir, um in der Arena noch gute Plätze zu ergattern – die war mit ca. 6.000 Zuschauern voll besetzt. Ich machte mit Lucas noch ein paar Übungen im Vorbereitungsring, als plötzlich Attila auftauchte – was für eine Freude. Alle begrüßten ihn herzlich und wir redeten und redeten und redeten, bis mir plötzlich einfiel – da war doch noch was... Ach ja, der Auftritt. Auch Attila ließ mich dann alleine und das Turnier ging los. Großer Tumult im Zuschauerraum, laute Ansagen, Beifall, Musik... Ich wärmte Lucas noch mal auf und bemerkte, dass er unsicher wird. Er hatte es sich mit seinem Spielzeug unter einem Stuhl „gemütlich“ gemacht. Wir hatten Startnummer 5 und als Nr. 3 in den Ring ging, holte ich ihn unter seinem Stuhl hervor und versuchte, ihn etwas aufzumuntern – mit gemischtem Erfolg. Und dann hieß es „Go!“, der Ring-Steward gab für uns beide den Ring frei. Während wir reinmarschierten, fiel mir auf, dass die Musik wahnsinnig laut war und das Licht recht grell – Crufts muß man erlebt haben. Lucas war sicher nicht in Höchstform - aber wie soll man diesen Wahnsinn auch üben? 6000 Zuschauer guckten zu, wie ich Lucas "bei der Hand nahm" und ihn durch unsere Choreo bugsierte. Er hat tapfer durchgehalten und sich wacker geschlagen – wir erreichten den 7. Platz.
Ich war wütend über mich: ich schleppe diesen armen Buben 1 ½ Tage lang 1300 km quer durch Europa. Für richtige Spaziergänge war natürlich keine Zeit, ich hab ihm nicht mal am Freitag die Gelegenheit gegeben Crufts-Luft zu schnuppern, „zerre“ ihn dann am Samstag morgens um 5 Uhr aus dem Bett, schleppe ihn mitten in diesen Messe-Trubel, schubse ihn unter riesen Lärm und grellem Licht in den Ring. Aber nicht nur Lucas war von diesem Event überrollt - ich auch. Eigentlich hatte ich ja überhaupt keine Vorstellung davon, was uns erwartet, wir waren die ersten, die dort für Deutschland gestartet sind und das, wo wir doch erst zwei Jahre zuvor mit Dogdance angefangen hatten. Zu sehr hatte mich Lucas bisher verwöhnt: er lag bei allen vorhergehenden Turnieren mitten im größten Trubel auf dem Boden und hat friedlich geschlafen, im Ring hat er sich nie (auch nicht von einer läufigen Hündin!!!) ablenken lassen. Danach habe ich einige nützliche Tipps erhalten – man übt mindestens 1 Jahr für Crufts und nicht nur 3 Monate (ich wurde im Dezember 2007 gefragt, ob ich denn für Deutschland starten würde). Außerdem sollte man auch mal auf einem Flughafen oder in einem Bahnhof trainieren - das härtet gegen Lärm und Trubel ab. Dann fährt man schon am Mittwoch hin, geht Donnerstag und Freitag immer wieder mal mit dem Hund rein, bringt ihn dann wieder ins Auto, dann wieder mal rein, damit die sich ein bisschen an dieses Tohuwabohu gewöhnen – wertvolle Tipps von den Profis.
Gleich nach dem Turnier war dann die Siegerehrung. Gleich danach hat Donelda Guy mich gebeten am Sonntag für sie einzuspringen um bei BBC ein Interview zu geben und „aus dem Stehgreif“ ein bisschen mit Lucas zu tanzen. BBC hatte für die vier Crufts-Tage in Halle 3 ein Studio eingerichtet von wo aus sie live sendeten. Zum Vorgespräch bei BBC am Samstag mussten wir also durch alle Hallen (!) rennen (Donelda hatte mich bei der Hand gehalten und samt Lucas hinter sich hergeschleppt – ich hätte das gerne von außen gesehen – es war sicher rasend komisch). Sie wollten dort dann Kameraeinstellungen testen, kurz ein paar Tricks sehen, dann waren alle zufrieden. Am Sonntag sind wir wieder zum NEC rübergefahren, ich bin mit Lucas zum BBC Studio und dort haben wir erst mal gewartet, bis Ben, der die Sendung moderierte sich noch mal mit mir unterhalten und kurz die Fragen besprochen hat. Dann haben Lucas und ich wieder gewartet, bis wir dran waren. Kamera läuft - Frage, Antwort, Frage, Antwort, ca. 30 Sekunden tanzen – Ende. Kurz und amüsant war diese BBC-Geschichte und ich hoffe, dass die Engländer verstanden haben, was ich zum Thema Dogdance zu sagen hatte – ich muß mein Englisch wirklich noch aufpolieren. Wie zwei müde Krieger sind wir dann ins Hotel und haben erst mal über dieses irrwitzige Wochenende nachgedacht – wir haben eine Menge an Erfahrungen mit nach Hause genommen, und es war einfach toll.
Was ich gelernt habe? Lucas ist mein Herzbube – er ist mir noch mehr ans Herz gewachsen, weil ich gesehen habe, dass er nicht „unbesiegbar“ ist , dass er auch „nur ein Border Collie“ ist, mit einem robusten Nervenkostüm zwar, aber eben nicht mit Nerven aus Stahl, sondern aus Fleisch und Blut, und er hat keinen Schaden genommen: zwei Tage später beim Spaziergang wie üblich seine Frage: Mami, wollen wir nicht ein bißchen tanzen? (Das muß man sich so vorstellen, daß er mit hoch aufgerichteten Ohren vor mir rückwärts geht - wenn ich nicht gleich drauf eingehe, können das auch 50 Meter werden...) Monika und Anna haben am Sonntag von London aus die Heimreise per Flugzeug (bei Orkan) angetreten, Gabi und ich sind nach Wales aufgebrochen um in einem einsamen Cottage ein paar Tage Erholung „zu tanken“. Mein Fazit dieses Events: Lucas ist mein Held, die Engländer verstehen was von Events (ich weiß aber nicht, wie die bei den Preisen ihr Leben finanzieren), Crufts-Luft macht süchtig, Donelda Guy lebt nur auf der Überholspur und BBC ist mein Lieblingssender.
Fotos von unserer Choreo...
Einmarsch zur Siegerehrung
7. Platz für Lynn & Lucas (6.v.l.)